Über 18,5 Millionen gedruckte Teile, 473 Tonnen Plastik, 803 Freiwillige mit 953 Druckern – und ein Katalog mit 500 Produkten, die es nirgendwo zu kaufen gibt. Die ukrainische DrukArmy zeigt eindrucksvoll, was passiert, wenn Open Source und Maker-Kultur auf eine existenzielle Bedrohung treffen. Deshalb ist diese Geschichte nicht nur für Technik-Nerds relevant, sondern für alle, die verstehen wollen, wie moderne Verteidigung tatsächlich funktioniert.
Der 3D-Drucker als Waffe der Selbstverteidigung
Als Russland im Februar 2022 die Ukraine in vollem Umfang angriff, standen ukrainische Soldat*innen vor einem Problem, das kein Waffensystem der Welt lösen konnte: Es fehlte schlicht an Kleinteilen. Dazu gehörten Halterungen für Tablets, Gehäuse für Spektrumanalysatoren, Startplattformen für Drohnen, Adapter für Starlink-Antennen sowie Periskope für Schützengräben – also Dinge, die kein Rüstungskonzern liefert, weil sie in keinem Katalog stehen. Gleichzeitig kostet ein einzelnes solches Stück in China 80 Dollar, hat aber Wochen Lieferzeit. Dennoch entscheiden genau diese Kleinteile häufig über Leben und Tod.
Die Antwort kam deshalb nicht aus einer Fabrik, sondern aus Wohnzimmern, Kellern und Garagen. Tausende Ukrainer*innen mit 3D-Druckern schlossen sich zur DrukArmy (ДрукАрмія) zusammen – einem Freiwilligennetzwerk, das heute die größte Volunteer-3D-Druck-Initiative der Welt darstellt. Die Zahlen sind dabei beeindruckend: Über 18,5 Millionen einzelne Teile wurden seit Beginn der Vollinvasion an die Front geliefert, mit einem Gesamtgewicht von über 473 Tonnen. Darüber hinaus wurden mehr als 180.000 Bestellungen abgearbeitet. Das Netzwerk umfasst inzwischen rund 3.000 aktive Drucker, die jederzeit neue Aufträge annehmen können. Außerdem haben sich über 15.000 Militärangehörige auf der Plattform registriert, um direkt aus einem kostenlosen Katalog zu bestellen.
Der Gründer der DrukArmy, Mykyta Kuvikov, bringt die Situation folgendermaßen auf den Punkt: Im Zweiten Weltkrieg standen Frauen und Kinder an Maschinen und fertigten Munition. Die Situation heute sei nicht besser – deshalb sollte seiner Meinung nach in jedem ukrainischen Haushalt ein 3D-Drucker stehen.
Wie ein Euro Plastik 25 Euro Militärausrüstung ersetzt
Das Prinzip der DrukArmy ist ebenso einfach wie effektiv: Militäreinheiten melden ihren Bedarf über die Plattform. Anschließend entwickelt ein Team aus freiwilligen Ingenieur*innen und 3D-Modellierer*innen passende Lösungen, optimiert sie für den FDM-Druck (also das schichtweise Aufschmelzen von Kunststofffilament, wie es die meisten Hobby-Drucker verwenden) und stellt die Dateien bereit. Danach drucken Maker im gesamten Land – und zunehmend auch im Ausland – die Teile und senden sie an Sammelpunkte, von wo aus sie an die Front gelangen.
Die Designs entstehen dabei in einem iterativen Prozess: Die Truppe formuliert zunächst den Bedarf, dann konstruiert das Entwicklerteam einen Prototypen. Daraufhin testen die Soldat*innen ihn im Einsatz und geben Feedback zurück. Was funktioniert, geht folglich in die Serienproduktion. Was nicht funktioniert, wird entsprechend überarbeitet. Das ist agile Entwicklung, wie sie jedes Softwareunternehmen predigt – nur dass hier der „User“ im Schützengraben sitzt.
Die Produktpalette umfasst mittlerweile rund 500 verschiedene Designs und reicht weit über das Offensichtliche hinaus:
Für Drohnenpilot*innen: Tablet-Halterungen, Kabelführungen sowie Drohnendetektorgehäuse. Dazu kommen Startplattformen, die das sichere Starten von mit Sprengstoff bestückten Drohnen ermöglichen – denn eine Drohne mit explosiver Nutzlast aus der Hand zu starten ist lebensgefährlich. Allein für diese Startplattformen gibt es daher eine permanente Warteliste.
Für Sanitäter*innen: Spezielle Ampullenhalter, Venen-Viewer-Halterungen und Ausbildungsmaterialien. Augenpads beispielsweise, die kommerziell 2,50 Dollar pro Stück kosten, produziert die DrukArmy für wenige Cent – und liefert sie trotzdem kostenlos.
Für Ausbilder*innen: Trainingsmodelle von Antipersonenminen, Granaten und Sprengkörpern. Diese Modelle gehen jedoch nicht nur an Militäreinheiten, sondern auch an Schulen, damit Kinder potenziell gefährliche Objekte erkennen können, die die russische Armee hinterlässt.
Für die Kommunikation: Gehäuse für Spektrumanalysatoren sind derzeit der meistgefragte Artikel, weil sie es ermöglichen, die Flugrichtung anfliegender Objekte zu bestimmen. Allerdings benötigt ein einzelnes Gehäuse zehn Stunden Druckzeit, weshalb die Warteliste permanent über hundert Stück umfasst.
Die ökonomische Logik ist insgesamt bestechend: Ein Euro Filament wird zu einem Bauteil, das im Handel 25 Euro oder mehr kostet. Sämtliche Produkte werden den Soldat*innen entweder kostenlos oder zum reinen Materialpreis überlassen. Das ist „Volks-Rüstungsindustrie“ im besten Sinne – dezentral, skalierbar und demokratisch.
Software an der Front: Wenn Freiwillige Gefechtsführungssysteme bauen
Parallel zur Maker-Bewegung hat die Ukraine ein Ökosystem an Militärsoftware aufgebaut, das westliche Generäle staunen lässt – entwickelt größtenteils von Freiwilligen und der Zivilgesellschaft.
Kropyva (ukrainisch für „Brennnessel“) ist hierfür das beste Beispiel. Die Software wurde bereits 2014 von der gemeinnützigen Organisation Army SOS entwickelt, ursprünglich als schlichter ballistischer Rechner. Inzwischen ist sie jedoch ein vollwertiges Gefechtsführungssystem, das auf einem gewöhnlichen Android-Tablet läuft und von 90 bis 95 Prozent aller ukrainischen Artillerieeinheiten eingesetzt wird.
Dabei ist eine wichtige Unterscheidung nötig: Kropyva ist keine Open-Source-Software im klassischen Sinne – es handelt sich vielmehr um eine proprietäre Entwicklung einer NGO, die dem Militär kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Also „free as in beer“, nicht „free as in speech“. Trotzdem zeigt es eindrücklich, was passiert, wenn eine Zivilgesellschaft mit technischem Know-how Werkzeuge für die Verteidigung baut, anstatt auf Rüstungskonzerne zu warten. Denn für gerade einmal 150 Dollar verwandelt ein handelsübliches Tablet sich so in ein automatisiertes Präzisions-Leitsystem. Die Software nimmt Zielkoordinaten entgegen und leitet sie automatisch an die nächste verfügbare Artilleriebatterie weiter, inklusive vorberechneter Flugbahnen.
Kropyva in Zahlen: Messbare Wirkung an der Front
Die Wirkung von Kropyva ist dabei konkret messbar: Die Zeit für den Aufbau einer Artilleriebatterie verkürzt sich um das Fünffache. Ebenso sinkt die Zeit bis zum Treffen eines ungeplanten Ziels um das Dreifache. Besonders beeindruckend ist jedoch, dass sich die Zeit für Gegenbatteriefeuer sogar um das Zehnfache reduziert – verglichen mit den sowjetischen Rechentafeln, die vorher im Einsatz waren. Infolgedessen brechen ukrainische Scharfschütz*innen und Panzerbetreiber*innen mit Hilfe dieser Software Weltrekorde – weil Kropyva sowjetisches Gerät faktisch zu Präzisionssystemen macht.
GIS Arta – in der westlichen Presse als „Uber für Artillerie“ bekannt geworden – geht noch einen Schritt weiter. Die Software vernetzt nämlich Ziele, Sensoren und Artillerieeinheiten in einem System, das wie eine Vermittlungsplattform funktioniert: Artilleriebatterien melden sich zunächst als „verfügbar“, während Zieldaten gleichzeitig von Drohnen, Vorwärtsbeobachtern mit Mobiltelefonen und Gegenfeuerradars einfließen. Daraufhin weist ein Algorithmus den optimalen Schützen zu. Auf diese Weise kann die Zeit von der Zielerfassung bis zum Feuern auf 30 bis 45 Sekunden sinken. Das ist deshalb so entscheidend, weil Russland auf einigen Frontabschnitten eine zwanzigfache Artillerieüberlegenheit hat. GIS Arta wirkt folglich als Kraftmultiplikator, der diese Asymmetrie teilweise ausgleicht.
Delta, ein Lageerkennungssystem das 2016 von der Freiwilligengruppe Aerorozvidka gestartet und 2023 offiziell dem Verteidigungsministerium übergeben wurde, bildet schließlich die strategische Ebene ab. Es integriert NATO-Standards (STANAG 4774/4778) und bietet dadurch Lagebewusstsein über alle Teilstreitkräfte hinweg – cloudbasiert, mit Servern im Ausland und somit resilient gegen russische Angriffe auf die Infrastruktur. Allein über das angegliederte Modul „Mission Control“ planen Drohnenbetreiber*innen monatlich rund 106.000 Einsätze.
Das Entscheidende an all diesen Systemen ist: Sie wurden nicht von Rüstungskonzernen entwickelt, sondern von Freiwilligen, Tech-Unternehmer*innen und Zivilist*innen. Es gibt kein zentrales Beschaffungsamt, das Ausschreibungen veröffentlicht. Stattdessen gibt es Menschen mit Laptops, die unter Raketenbeschuss Code schreiben. Die Ukraine beweist damit, dass eine technisch versierte Zivilgesellschaft ein strategischer Verteidigungsfaktor ist.
Energie als Waffe – und dezentrale Lösungen als Antwort
Russland greift darüber hinaus systematisch die ukrainische Energieinfrastruktur an. Seit 2022 wurden nach ukrainischen Regierungsangaben 9,2 Gigawatt an Erzeugungskapazität zerstört. Im Winter 2025/2026 fielen die Temperaturen infolgedessen auf minus 20 Grad, während rollende Blackouts das Land lähmten – Krankenhäuser, Wasseraufbereitung, Heizsysteme und Schienenverkehr waren gleichermaßen betroffen.
Die Antwort kommt deshalb unter anderem in Form dezentraler Energielösungen. Initiativen wie RePower Ukraine, gegründet von Fachleuten der erneuerbaren Energiebranche, installieren Solar- und Speichersysteme an Krankenhäusern, Schulen und kritischer Infrastruktur. Gleichzeitig finanziert die Initiative Solar Supports Ukraine, koordiniert von SolarPower Europe und dem deutschen Bundesverband Solarwirtschaft (BSW), Solaranlagen, netzunabhängige Anhänger sowie tragbare Powerbanks für die Ukraine. Zusätzlich installiert die Organisation Ukraine2Power Batteriespeichersysteme an Schulen, die bei Netzausfällen automatisch einspringen – leise, ohne Treibstoff und sauber.
Das Muster ist dabei dasselbe wie bei der DrukArmy: dezentral, community-getrieben und technologiebasiert. Außerdem zieht sich das Prinzip der offenen Dokumentation durch alle diese Projekte. Die Initiative 3D Printing for Ukraine beispielsweise entwickelte Open-Source-Tourniquets – also Erste-Hilfe-Abbindungen, deren Designs, Dokumentation und Know-how offen geteilt werden. Bereits im COVID-19-Kontext hatte dasselbe Team zuvor 40.000 Schutzmasken und 15.000 Gesichtsvisiere produziert und verteilt.
Warum uns das als deutsche Maker direkt angeht
Jetzt kommt der Teil, bei dem es unbequem wird. Denn die Geschichte der DrukArmy ist eben nicht nur eine ukrainische Geschichte. Sie ist vielmehr eine europäische Geschichte – und sie stellt Fragen, die wir in Deutschland beantworten müssen.
Die Ukraine verteidigt auch unsere Freiheit
Das ist kein Pathos, sondern Geopolitik. Die Ukraine hält seit über drei Jahren eine Front, die – würde sie zusammenbrechen – eine direkte Bedrohung für die europäische Sicherheitsordnung darstellen würde. Jeder 3D-gedruckte Drohnenadapter, jedes Artilleriesystem aus der Zivilgesellschaft und jede solarbetriebene Schul-Notstromversorgung kauft Zeit und rettet dabei Menschenleben. Wer das dennoch als rein ukrainisches Problem betrachtet, hat die geopolitische Lage schlicht nicht verstanden.
Europa muss selbst handlungsfähig werden
Die transatlantische Sicherheitsarchitektur ist nicht mehr das, was sie einmal war. Wer sich weiterhin darauf verlässt, dass die USA im Ernstfall Europas Probleme lösen, betreibt inzwischen Wunschdenken. Die Konsequenz daraus ist klar: Europa – und insbesondere Deutschland – müssen technologische Resilienz aufbauen. Nicht morgen, sondern jetzt.
Und hier wird es konkret: Die DrukArmy zeigt nämlich, wie eine Gesellschaft innerhalb weniger Wochen eine dezentrale Fertigungskapazität aufbauen kann, die industrielle Rüstungsproduktion wirksam ergänzt. Das funktioniert allerdings nur, weil die Ukrainer*innen die notwendigen Skills bereits hatten – 3D-Druck, CAD, Elektronik, Programmierung. Also Maker-Skills. Open-Source-Skills.
Maker-Skills sind Resilienz-Skills
Wer einen 3D-Drucker bedienen kann, wer CAD-Software beherrscht, wer mit einem Lötkolben umgehen kann und wer einen Mikrocontroller programmieren kann – diese Person ist nicht nur ein Hobbyist. Sie besitzt vielmehr Fähigkeiten, die in einer Krisensituation kritische Infrastruktur am Laufen halten können. Deswegen sind die Makerspaces in Deutschland – die FabLabs, die Hackerspaces, die offenen Werkstätten – nicht nur Freizeiteinrichtungen. Sie sind im Grunde Trainingszentren für gesellschaftliche Resilienz.
Die Ukraine beweist das gerade in Echtzeit. Eine Gesellschaft, in der tausende Menschen wissen, wie man eine STL-Datei für den Slicer (also die Software zur Druckvorbereitung) optimiert, ein Gehäuse konstruiert oder einen Schaltkreis lötet, ist nämlich eine Gesellschaft, die sich selbst helfen kann. Eine Gesellschaft hingegen, die das nicht kann, ist abhängig – von Lieferketten, von Konzernen und von anderen Staaten.
Emanzipation durch Kompetenz
Es geht dabei nicht darum, Drohnen zu drucken. Es geht darum, als Demokratie die technischen Fähigkeiten zu besitzen, um im Krisenfall handlungsfähig zu sein. Digitale Souveränität – ein Thema, das auf diesem Blog immer wieder eine Rolle spielt – beginnt nämlich nicht erst bei der Wahl des Datenbanksystems. Sie beginnt vielmehr bei der Frage, ob eine Gesellschaft in der Lage ist, ihre eigenen Werkzeuge zu bauen, zu reparieren und weiterzuentwickeln.
Open Source bildet dafür das Fundament. Freie Software, freie Hardware-Designs und freie Dokumentation – das sind keine ideologischen Luxusgüter, sondern strategische Ressourcen. Die DrukArmy konnte schließlich nur deshalb innerhalb von Wochen 500 verschiedene Produkte entwickeln und produzieren, weil die Designs frei geteilt werden, weil die Software zum Slicen – also der Vorbereitung von 3D-Modellen für den Druck – frei verfügbar ist und weil die Kommunikationsplattformen offen sind. In einer proprietären Welt hingegen, in der jedes Design unter NDA steht und jede Software eine Lizenz braucht, wäre das schlichtweg nicht möglich gewesen.
Was deutsche Maker konkret tun können
Das alles klingt groß und geopolitisch. Aber es fängt tatsächlich klein an. Hier sind konkrete Möglichkeiten:
Direkt für die DrukArmy drucken. Die DrukArmy nimmt nämlich auch internationale Freiwillige auf. Überall in Europa gibt es bereits Sammelhubs, die gedruckte Teile an die Ukraine weiterleiten. Die Anleitungen sind auf der Plattform verfügbar, und der Versand auch aus Deutschland ist möglich sowie bezahlbar. Wer also einen 3D-Drucker hat, der oft genug ungenutzt herumsteht, kann aus einem Euro Filament ein Bauteil machen, das einem Soldaten oder einer Sanitäterin das Leben erleichtert – oder sogar rettet.
Maker-Skills weitergeben. Jeder Workshop in einem Makerspace, jedes Tutorial und jede Einführung in 3D-Druck oder Elektronik stärkt die technische Kompetenz der Gesellschaft. Das ist folglich kein Selbstzweck – das ist eine Investition in Resilienz.
Open-Source-Projekte unterstützen. Die Projekte, die in der Ukraine Menschenleben retten, basieren auf Open-Source-Software und offener Dokumentation. Wer daher Open-Source-Projekte nutzt, weiterentwickelt und unterstützt, stärkt gleichzeitig die Infrastruktur, auf der diese Hilfe aufbaut.
Spenden für Material. Die DrukArmy finanziert sich über Spenden für Rohmaterial. Jedes Kilogramm Filament, das finanziert wird, wird dementsprechend direkt in Teile für die Front umgewandelt. Die Organisation arbeitet dabei transparent und liefert direkt an Militäreinheiten, Sanitäter*innen und Rettungskräfte.
Bewusstsein schaffen. Dieser Artikel ist ein Anfang. Teilt daher die Geschichte der DrukArmy und ähnlicher Initiativen. Die meisten Menschen in Deutschland wissen nämlich nicht, dass es so etwas gibt. Je mehr Menschen davon erfahren, desto mehr Unterstützung fließt – und desto mehr Menschen erkennen außerdem den Wert von Maker-Skills und Open Source.
Fazit: Open Source rettet Leben
Die Geschichte der DrukArmy, von Kropyva und GIS Arta, von Solar Supports Ukraine und den zahllosen anderen Initiativen ist keine Nerd-Geschichte. Es ist vielmehr die Geschichte einer Gesellschaft, die sich mit den Mitteln der modernen Technologie gegen eine Invasion wehrt – dezentral, kreativ und selbstbestimmt.
Für uns in Deutschland – also für uns als Maker, als Open-Source-Nutzer und als technisch interessierte Menschen – ist diese Geschichte deshalb ein Weckruf. Nicht weil morgen russische Panzer vor München stehen. Sondern weil die Fähigkeit zur technologischen Selbstständigkeit den Kern einer resilienten Demokratie bildet. Weil Open Source eben nicht nur eine Lizenzfrage ist, sondern eine Frage der Handlungsfähigkeit. Und weil jeder 3D-Drucker, der heute in einem deutschen Makerspace steht und Vasen druckt, morgen das Werkzeug sein könnte, das Menschen tatsächlich am Leben hält.
Die Ukraine zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn eine Gesellschaft ihre Maker-Fähigkeiten mobilisiert. Die Frage ist daher nicht, ob wir das können. Die Frage ist, ob wir bereit sind, es zu lernen – bevor wir es müssen.
Wer die DrukArmy unterstützen möchte, findet alle Informationen unter drukarmy.org.ua. Die Initiative nimmt internationale Freiwillige auf und bietet eine eigene Schule, die auch Menschen ohne technische Vorkenntnisse den 3D-Druck beibringt.

